Was wir in diesem Jahr 2005 feiern, ist nicht das hundertjährige Bestehen der jungfreisinnigen Partei Baselland, sondern die Gründung einer Protestpartei, die den Namen "Jungfreisinnige Partei Baselland" trug und damit die erste "echte" freisinnige Partei in unserem Kanton war. Sie war die Vorgängerin der heutigen FDP. Doch weswegen entstand diese Protestpartei 1905, die sich offiziell zur freisinnigen Bewegung bekannte? Die Politik der Basellandschaftlichen Regierung erschien einigen Bürgern zu sparsam, zu bürokratisch und zu wenig initiativ. So gründeten diese Bürger die "Jungfreisinnige Partei Baselland", mit dem Ziel die fortschrittlichen, reformfreudigen Kräfte im Landrat zu unterstützen und zu fördern. Einer der treibenden Kräfte dieser neuen Partei war der nachmalige Bundesrat Emil Frey. Man schloss sich umgehend der freisinnigen Familie an und damit kam es zum Unikum, dass die FDP Schweiz im Kanton Basel-Landschaft über zwei Sektionen verfügte. Einerseits die Gruppe um die Regierungsräte und andererseits die Jungfreisinnige Partei, die sich ab 1908 Freisinnige Volkspartei nannte, die den Stil des Landrates unterstützte. Diese neue Partei war die erste freisinnige Partei im Kanton Baselland. Statt zusammenzuarbeiten, bekämpften sich die Parteien. Diese Auseinandersetzungen wurden gegen den Wahltermin hin immer schärfer. Als Sprachorgan dienten die Zeitungen. Dabei wurde die JFP durch den "Landschäftler" unterstützt und die Gruppe um den Regierungsrat erhielt seine Unterstützung durch die "Basellandschaftliche Zeitung". Der Grund der heftigen Auseinandersetzungen hatte weniger mit den Programminhalten zu tun, als viel mehr mit der Definition von staatspolitischen Konzepten. Der Regierungsrat war nämlich der Meinung, dass Parteien eher schädlich für eine demokratische Gesellschaft seien, da die Parteien und vor allem die Parteidisziplin den demokratischen Willen einschränken würde, ausserdem warnte er auch nachdrücklich vor unproduktiven Parteikämpfen. Doch schon 1910 sah sich die Gruppe um den Regierungsrat dazu gezwungen, eine eigene "Bewegung" zu gründen – die "Demokratisch-Volkswirtschaftliche Vereinigung" – da die FV im Landrat mit katholischen und linken Gruppierungen zusammenarbeitete und mit ihnen die "Demokratische Fortschrittsfraktion" bildete, die die Mehrheit im Landrat bildete. Da der Regierungsrat von seiner Meinung nicht abwich, dass Parteien schädlich für die Demokratie seien, legte er grössten Wert darauf, dass es sich dabei nicht um eine Partei handle. Was heute die Europafrage für die Parteien ist, war damals die Frage, ob die Parlamente nach dem Majorz- oder dem Proporzsystem gewählt werden sollten. Damals wurde mehrheitlich – auch auf eidgenössischer Ebene – im Majorzsystem gewählt. Grosse Nutzniesserin dieses Wahlsystems war vor allem die freisinnige und katholische Bewegung, während die aufkommenden linken Bewegungen gerne dieses System stürzen wollten, damit auch sie ihre Wahlchancen wahrnehmen konnten. Doch diese Parteienkonstellation änderte sich ab 1912 schon wieder. Bisher unterstützte die Fortschrittsfraktion die Proporzbemühungen, doch die FV änderte ihre Meinung und kritisierte die parteipolitische Zersplitterung der politischen Landschaft aufs Heftigste und trat neu für das Majorzsystem ein, während die FVV sich neu für das Proporzsystem einsetzte. So tauschten die beiden freisinnigen Bewegungen quasi ihre Plätze. Die FVV arbeitete von nun an mit den katholischen und linken Gruppierungen zusammen, während die FV nun den Alleingang antrat. Diese Positionswechsel hatten herzlich wenig mit parteipolitischen-inhaltlichen Überzeugungen zu tun, sondern waren viel eher wahltaktische Überlegungen. Doch durch das Erstarken der sozialdemokratischen Partei sah sich die bürgerliche Schicht im Kanton mehr und mehr bedroht. So wurden immer mehr Stimmen laut, die eine Bündelung der freisinnigen Kräfte forderten. Am 3. August 1919 schliessen sich dann die beiden Parteien zur "Demokratischen Fortschrittspartei" zusammen, um ein Bollwerk gegen die Sozialdemokraten zu schaffen. Doch unter anderem auf Grund der Ereignisse am Landesstreik, muss sich die neue Partei den neuen Umständen anpassen und gibt im selben Jahr noch die Ja-Parole zur Einführung des Proporzsystems mit nur zwei Gegenstimmen heraus. Dieses "Bollwerk" gibt es noch heute - Es heisst Freisinnig-Demokratische Partei, FDP. Heute ist die FDP eine der etablierten Kräfte auf kommunaler wie auch auf kantonaler Ebene und hat (leider) ein wenig von ihrem revolutionären Charakter verloren! Noch ein Wort über die Jungfreisinnigen Baselland. Berg- und Talfahrten gab es auch bei den freisinnig geprägten Jungparteien, die im Speziellen ab 1961 im Baselbiet erschienen und wieder verschwanden. So wurde 1961 die erste Freisinnig-Demokratische Fraktion im Jugendparlament gegründet, deren erster Präsident Dieter Hofmann war. Diese Fraktion wurde dann 1969 wieder aufgelöst. Bereits 1972 entstand das "Forum für Liberale Politik". Dieses Forum schlief dann 1975 ein. Die heutige Form der "Jungfreisinnigen Baselland", JFBL, wurde Ende der siebziger Jahre gegründet. Sie ist eine eigenständige Partei mit liberal-freiheitlichem Fundament, die mit der FDP eng verbunden ist. Mit stolz kann die JFBL von sich behaupten die aktivste Jungpartei im Kanton Baselland zu sein, denn die Jungfreisinnigen versuchen aktiv die Politik im Kanton Baselland nach liberalen und freiheitlichen Kriterien zu mitzugestalten!
David De Pretto